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Die Fallaufnahme - Erstordination

In der Homöopathie ist eine ausführliche Fallaufnahme (Anamnese, Exploration) mit dem Patienten notwendig. Der Patient wird nicht nur bezüglich seiner körperlichen Erkrankung exploriert, sondern auch in seiner geistig-seelischen Fassung wahrgenommen. Dabei ist wichtig, neben den klinischen Parametern, die Konstitution, den Typus und Charakter des Patienten zu studieren und seine Lebensgeschichte aufzunehmen. So kann man die Kindheit, das Verhältnis zu nahen Bezugspersonen, einschneidende Erlebnisse, insbesondere seelische Verletzungen oder Belastungen und das Milieu, indem der Patient lebt, in Verbindung mit der Krankheitsgeschichte bringen.

Damit ist die Homöopathie nicht nur eine bio-psycho-soziale Medizin, was dem aktuellen Wissensstand der Medizin entspricht, sondern werden die Verfassung des Patienten und seine körperlichen Leiden häufig durch eine einzige Arznei repräsentiert (siehe Konstitutionmittel). In der Praxis folgen meist mehrere Arzneien aufeinander.

Insbesondere in komplizierten Fällen, bei Vor- oder Parallel-Behandlungen, ist es notwendig mehrere Arzneien zu geben.

In der Regel kann ein Fall in ein bis zwei Stunden (in meiner Praxis in durchschnittlich 5/4 Stunden) sorgfältig aufgenommen werden. Dann wird entweder sofort - oder nach Studium und Repertorisation (Nachschlag in Spezialwerken) - eine Arznei verschrieben, deren Wirkung sorgfältig beobachtet werden muss. Diese Beobachtung der Gabe erfolgt in vereinbarten Abständen, wobei der Patient vorher aufgeklärt wird, an welchen Informationen der Homöopath besonders interessiert ist (siehe „Reaktion auf die erste Gabe“). Danach wird die zweite Ordination vereinbart, um die Veränderungen genau aufzuzeichnen. Es kann die gleiche Arznei in der selben oder einen anderen Potenz oder eine weitere Arznei verschrieben werden.

Diese Folgeordinationen verlangen - variabel nach Schwierigkeit des Falles - in Abständen weitere sorgfältige Explorationen.

In chronischen Fällen, wo bereits viele Vorbehandlungen stattgefunden haben oder wenn Behandlungen wie Chemotherapie oder Operationen parallel laufen, muss vorsichtig vorgegangen werden und müssen diese Arzneien oder ihre Potenz öfter gewechselt werden, was in den ersten Wochen in der Regel einen größerem Arbeitsumfang erfordert.

Wirkung der Arznei

Reaktion auf die (erste) Gabe

Bei einem Heilungsprozess ist häufig folgende Arzneiwirkung zu beobachten (Hering’sche Regeln):

  • Die Symptome gehen von den lebenswichtigen Organen zu den weniger lebenswichtigen,

  • von innen nach außen,

  • von oben nach unten,

  • und es kommt zum flüchtigen Wiedererscheinen „alter Symptome“ in der umgekehrten Reihenfolge ihres Auftretens.

Was kann man mit Homöopathie behandeln?

Neben Infektionskrankheiten und Neuralgien sind komplizierte und therapieresistente Krankheiten eine Domäne der homöopathischen Medizin. Dazu gehören Autoimmunkrankheiten wie z.B. der Morbus Crohn, die Immunthyreoditis Hashimoto, das Church-Strauss Syndrom und Karzinome, wobei hier genau unterschieden wird, wann konservative Therapie, wann homöopathische Therapie und wann beide einzusetzen sind.